Die Drölfe zum Gruße

Das Turnier zu Honingen

Vorgeschichte

9. Rondra 15 HAL, irgendwo im Albernischen

Unsere kleine Spielmannstruppe hat in einem kleinen Städtchen halt gemacht. Heute Abend wollen wir hier in einem Wirtshaus auftreten um unsere Reisekasse ein wenig auszubessern. Ludovigo, genannt „der Schöne“, hat mit dem hiesigen Wirt einen guten Handel ausgemacht. Wir bekommen freie Kost und freies Bier und dürfen den Hut kreisen lassen, solange wir dafür sorgen, dass die Kundschaft ebenfalls gut zuschlägt.

10. Rondra 15 HAL, irgendwo im Albernischen

Ich erinnere mich noch ziemlich gut an den gestrigen Abend. Zumindest solange, bis wir unser Spiel beendet hatten und die Gäste des Wirtshauses begonnen haben uns so manche Runde zukommen zu lassen. Nach dem vierten, mir aufgezwungenen Bier – man will ja nicht unhöflich sein – bricht dann jedoch irgendwann meine Erinnerung ab und kehrt nur in Fetzen zu mir zurück.

Erst ab dem nächsten Morgen habe ich wieder zusammenhängende Erinnerungen und diese beginnen damit, dass ich in einem mir unbekannten Bett, in einem mir unbekannten Zimmer, neben einer mir ebenfalls unbekannten Frau erwache. Schwummrige Erinnerungen an eine Leiter, eine Warnung vor einem beschützerhaften Bruder und einer mehr oder minder wilden Liebesnacht erwachten sogleich in meinem Geist. Leider erwachte mit ihnen ein unheimlicher Werwolf, der ebenfalls in meinem Kopf zu wüten schient. Da ich die Peinlichkeit einer neuerlichen Begegnung mit der mir nun wieder unbekannten Frau und noch mehr der erstmaligen Begegnung mit ihrem Bruder entgehen wollte, beschloss ich das Zimmer auf dem selben Wege zu verlassen, wie ich es betreten hatte. Das Fehlen einer Leiter machte dieses Unterfangen ungemein schwieriger, dennoch gelang mir der Abstieg aus dem zweiten Stock des Hauses, in Anbetracht meiner damaligen Verfassung, ziemlich gut. Gleiches lässt sich leider nicht über meine Rückkehr zu unserem Lager sagen, auf dem ich mich, trotz der geringen Größe der Ortschaft, mehrfach verlaufen habe.

Im Lager waren Thorulf und der Grüne Fiedler gerade dabei Speck zu braten und boten mir mit wissendem Grinsen sogleich ein deftiges Wolfsfrühstück an, welches ich dankbar annahm. In diesem Moment kam auch schon Ludovigo heran und hielt mir ein Flugblatt unter die Nase: „Markt & Turney zu Honingen – letzter Erd- und Markttag im Rondramond“. Jetzt heißt es sich mit rondrianischem Liedgut vertraut zu machen und die Instrumente zu ölen: In zwei Wochen werden wir in Honingen aufspielen!

[…]

Das Turnier

25. Rondra 15 HAL, Honingen

„Markt & Turney zu Honingen“, so war es uns verkündet und so kam es denn auch. Unsere Truppe kam gestern an und wir machten uns sofort daran bei den Turneyverantwortlichen vorzusprechen. Glücklicherweise gelang es uns die Erlaubnis zum Spielen in einem der Festzelte zu erhalten. Der Name „Gans und Rosen“ öffnet einem doch die ein oder andere Tür und es war ein Glücksfall, dass ich mich ihnen vor einigen Monden habe anschließen können.

Ich werde noch versuchen ein wenig vom Markt und den Turneywettkämpfen mitzubekommen. Außerdem wollen wir in der Stadt verteilt, jeder für sich, unsere Spielmannskunst dem Marktvolk zukommen lassen. Ich habe eigens für diesen Anlass eine Ballade über die Heilige Thalionmel von Brelak einstudiert.

Der Tag war erfolgreich! Die Besucher des Marktes, welche meiner Darbietung ansichtig – oder sollte ich sagen ‚anhörig‘ – wurden, waren von meinem Spiel und Gesang sehr angetan und so landete so manche Münze in meinem Hut. Das Treiben auf dem Markt war von der zu erwartenden Geschäftigkeit die solche Anlässe mit sich bringen. Und auch wenn dies für ein Städtchen wie Honingen gewiss beeindruckend sein mag, so habe ich in Havena schon so manch geschäftigeren Markttag erlebt.

Auf dem Turney ansich waren heute nur die Wettstreite, die auch den Gemeinen offen standen, zu bewundern. Zwar soll sich auch der ein oder andere Edelmann zu den Wettkämpfen gesellt haben, ich jedoch habe verzichtet mir diese anzusehen. Das morgige Turney will ich jedoch auf jeden Fall schauen, denn da werden die hohen Herren zu Pferde antreten!

26. Rondra 15 HAL, Honingen

Ich war heute die Turneywettkämpfe zu Pferde schauen. Einer der Ritter ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben. Leider weniger durch seine Turnierleistung, sondern da er es gewagt hatte das Apfelstechen mit einem Morgenstern zu versuchen. Und tatsächlich schaffte er es einen der drei aufgespießten Äpfel mit der Waffe zu erwischen, so dass der Apfel in alle Richtungen davonspritzte. Sonst zeugte sein Ritt – soweit es mir zusteht dies zu beurteilen – zwar von ausgesprochenem Können, der Rest seiner Darbietung lies jedoch leider zu wünschen übrig. Beim Tjostgang schied er dann auch sofort aus.

Der große Aufreger des Tages – wahrlich ein Skandal! – war jedoch der Betrugsversuch eines Ritters aus dem Greifenfurtschen, der beim Gehaue Hufeisen in seinem Strohsack zu verstecken versucht hatte. Wie man hörte soll er dies zum wiederholten Male versucht haben.

Am heutigen Abend sollen wir für die Feiernden im großen Festzelt neben der Turnierwiese aufspielen. Ein wenig Üben wird wohl nicht schaden.

27. Rondra 15 HAL, Honingen

Der gestrige Abend bot gleich mehrere unerwartete Wendungen auf! Doch der Reihe nach. Zunächst war alles wie man es sich vorstellt: Die Stimmung im Zelt war gut. Der Gewinner des Turniers, ein Adliger aus gräflichem Hause, ein gewisser Rodwick von Abagund, hatte mehrere Fässer Freibier für die Feiernden bereitgestellt und die restlichen Spielleute und Gaukler hatten ihre Arbeit gut gemacht und das Feiervolk mit ihren Darbietungen bereits in gute Feierlaune versetzt. So war es denn auch ein leichtes für uns die gute Stimmung weiterzuführen.

Als ich jedoch gerade dabei war unbegleitet die „Ballade vom Barden im Wald“ zum Besten zu geben, da packte mich ein großer Kerl aus dem Publikum am Kragen und schleuderte mich auf einen der vor der Sängerbühne aufgestellten Tische. Im Reflex gelang es mir glücklicherweise meine getreue Harfe in Sicherheit zu bringen – was mir und meinem immernoch schmerzenden Rücken, mit dem ich mit einiger Härte auf dem Tisch aufschlug, in diesem Moment leider von geringem Nutzen war. Bier und Speisen verteilten sich sowohl auf mich, als auch auf die umsitzenden Feiernden. Der Hühne – ich würde sagen, dass er deutlich über zwei Schritt in die Höhe ragte – ließ jedoch nicht von mir ab und versuchte, irgendwas von einer entehrten Schwester lallend, mit einem Weinkrug nach mir zu schlagen.

Zu meiner Rettung kam mir jedoch ausgerechnet jener Ritter, der mir bereits am Vortag aufgefallen war und auf dessen Tisch mich der Wüterich nun geschleudert hatte. Der gute Herr Ritter, der sich mir später als Orasilaus Sapertyn von Thuranien vorstellte, hielt den Unhold jedenfalls lange genug von mir ab, dass mich die junge Dame Farah, welche sich als Heilerin und bereits mit dem Herrn Ritter bekannt herausstellte, vom Tisch erretten konnte. Als ich dann meinen ersten Schrecken überwunden hatte und vor allem die Beweggründe meines aufgebrachten Gegenübers zu verstehen begann, gelang es mir mit meiner redegewandten Zunge schnell den Wütenden zu überzeugen, wie Leid mir doch alles tue und dass es sich um ein Missverständnis handeln müsse, das man bestimmt bei einem Bier beilegen könne.

Zwar hatte ich keine Ahnung, weswegen genau der Mann so aufgebracht war und von welcher Schwester er geredet hat, aber meine Worte entfalteten die gewünschte Wirkung und so zog er denn auch mit einem frischen Bier grummelnd von dannen, während ich mir Sauerkraut und Bratenreste vom Umhang pflückte.

Meine Retter habe ich freilich ebenfalls zu einem Getränk eingeladen und daraufhin einen angenehmen Abend mit ihnen im Gespräch verbracht. Die Ballade zu vollenden habe ich über den ganzen Trubel dann gänzlich vergessen. Meine Kumpanen haben ihren Auftritt jedoch auch ohne mein Zutun recht erfolgreich beendet.

Das sonderbarste, naja vielleicht doch eher das zweitsonderbarste, des Abends war jedoch, als sich zu später Stunde ein wohlhabend aussehender, jedoch leicht nervös wirkender Mann zu uns gesellte. Er stellte sich als Eboreus Kupferfeld vor und bot uns dreien an, dass wir ihn auf seinem Wagenzug begleiten sollten. Und dafür sogar bezahlt würden! Ich werde noch heute mit Ludovigo darüber reden.

Auch wenn er es als Schade empfindet respektiert Ludovigo meine Entscheidung mit Eboreus Wagenzug zu gehen. Er deutete auch etwas von einer Abschiedsfeier für mich an, die heute Abend zu meinen Ehen gehalten werden soll. Ich werde den Rest des Tages nutzen den hiesigen Tempeln der gütigen Mutter Travia und ihrer etwas lebensfroheren Schwester Rahja meine Aufwartung zu machen.

Ich war nochmal bei Eboreus, der im „Honigtopf“ abgestiegen ist, um mit ihm über weitere Einzelheiten unserer Übereinkunft zu reden. Er will mir tatsächlich 3 Silbertaler am Tag geben, dass ich mit ihm reise! Naja, vermutlich soll ich schon ein wenig mein Geschick mit der Harfe beweisen, aber dennoch!

Die reichen Spenden in den beiden Tempeln scheinen sich gelohnt zu haben!

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