Der Schrecken von Tsafelde

Der Rückweg

Wir können hier nicht anhalten! Das ist Gotongi-Land!“

– Firunian S. Toreson, Schreiber auf dem Weg nach Chorhop in Begleitung seines Advokaten –

2. Efferd 15 HAL, Albenhus

Die Nacht in einem echten Bett und das feine Mahl am Abend haben gute Arbeit geleistet. Heute Nacht blieb ich weitestgehend von Albträumen verschont.

Beim Frühstücken heute Morgen haben der Herr Ritter, die junge Heilerin und ich beschlossen, dass wir die nächsten Teile unseres Weges gemeinsam verbringen wollen. Eventuell werde ich so noch Zeuge von großen Heldentaten des Herrn Ritters Orasilaus um diese dann gebührend zu besingen. Zunächst wollen wir auf unserem Weg unsere Schritte zurückverfolgen, denn so manches, was wir auf unserer bisher erst kurzen gemeinsamen Reise erlebt haben, scheint uns doch eine genauere Betrachtung wert. Vor allem die Erinnerung an Orgils Hof liegen noch schwer auf unseren Gemütern.

Doch ersteinmal müssen wir auf Brunni und den Wagen warten, bevor wir uns erneut zu Orgils Hof aufmachen können um dort nach dem Rechten zu sehen.

3. Efferd 15 HAL, Kaldenberg

Nachdem Brunni am Morgen endlich eintraf, konnten wir unsere Reise schließlich fortsetzen, beziehungsweise zurückverfolgen. Der Gesichtsausdruck der Kutscherin, als wir ihr eröffneten, dass die Reise in die entgegengesetzte Richtung zurück verlaufen würde, war dabei unbezahlbar – auch wenn ich ihr zugute halten muss, dass sie nicht, wie von mir erwartet, in übelste Flüche verfiel.

Bei unserer Rast in Galgenfurt, wo wir den Großen Fluss überquerten, hielt ich ein Ohr bei der örtlichen Bevölkerung offen um vielleicht das ein oder andere Interessante aufzuschnappen. So kam mir zu Ohren, dass der hiesige Graf wohl wenig für den Schutz seiner Untertanen zu tun bereit ist. Dabei scheint es wohl genügen Bedarf an Schutz zu geben. Uneinigkeit herrscht jedoch darüber, woraus die Bedrohung zu bestehen scheint. Die einen sehen die Schuld bei dem Raubritter Riordan von Seshwick, während andere die Gefahr durch Orks, welche aus dem Norden eingefallen seien, sehen. Ob der Ausbau der Feste Weidleth durch den Burggrafen mit diesen Dingen in Verbindung steht, kann ich nur vermuten; passen würde es.

Allerdings scheinen diese Umstände dem Erfolg des Fischerfestes in Kaldenberg keinen Abbruch getan zu haben , denn noch immer wirkt die heitere Stimmung des Festes nach. Hier sind wir erneut im Haus ‚Grafenstedt‘ untergekommen, in dem wir bereits bei unserem ersten Aufenthalt nächtigten.

Eine Nacht voll Schrecken

4. Efferd 15 HAL, Tsafelde

Ich schreibe diese Zeilen in den frühen Morgenstunden und ohne viel von Borons Gnade des Schlafes erfahren zu haben, doch die hinter mir liegenden Ereignisse – besonders die der vergangenen Nacht – verlangen unverzüglich von mir festgehalten zu werden – zumal ich nach diesen Schrecken sowieso nicht in der Lage sein werde zu schlafen.

Doch will ich zunächst am Morgen beginnen. Schon kurz nach dem Aufwachen in Kaldenberg hörten wir vor dem Gasthof einen großen Menschenauflauf. Farah hat sich sofort den Menschen – Flüchtlingen mit Sack und Pack aus Tsafelden, wie sich später herausstellen sollte – zugewandt um nach deren Befinden zu erkundigen. Unter den Berichten über Flüchen, die auf Dörfern lasteten, Spukgestalten, Ungeheuern und Überfällen konnten wir und zu diesem Zeitpunkt – beinahe bin ich geneigt glücklicherweise zu sagen – noch nichts vorstellen.

Diese Worte zeigten uns jedoch, dass unser Entschluss, zurückzukehren und den Dingen auf den Grund zu gehen, der richtige war . Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob es auch der weiseste war. Auf dem Weg Richtung Tsafelde kamen uns noch weitere Flüchtlinge entgegen. Diese berichteten vom seltsamen Verhalten und Verschwinden einiger Bewohner, merkwürdigen Geschehnissen auf dem Boronanger und wahlweise von Hexenumtrieben oder gar dem Namenlosen höchstselbst.

In Tsafelde selbst angekommen bot sich uns ein unheimliches Bild. Das halbe Dorf schien verlassen. Offene Türen, zurückgelassene Möbel, die es wohl nicht mehr auf die Wagen geschafft hatten, und umherirrende Hühner prägten die Gassen des Ortes. Da es bereits Abend wurde, machten sich die verbliebenen Einwohner – nicht ohne Grund, wie wir bald erfahren sollten – auf zum steinernen Tsatempel im Zentrum des Dorfes. Unser Weg führte uns jedoch erstmal zum Wirtshaus im Westen des Ortes, wo wir zu nächtigen gedachten.

Vor der Tür versperrten uns jedoch zwei „Wächter“, bewaffnet mit Axt und Mistgabel, den Eingang. Diese fragten recht wirsch nach unserem Begehr und untersuchten uns auf Biss- und Kratzspuren, bevor sie uns Einlass gewährten. Im Inneren bot sich uns ein erschreckendes Bild. In dem kleinen Schankraum hatten sich an die vier Dutzend Menschen eingefunden. Die Fenster waren vernagelt und zudem mit Bewaffneten besetzt – auch wenn es sich meist nur um improvisierte Waffen handelte. Bei den versammelten schien es sich vornehmlich um einfache Bauern zu handeln. Wer Mittel und Möglichkeit hatte, schien das Dorf schon verlassen zu haben.

Unverzüglich haben wir uns der Wirtin vorgestellt, die uns, nachdem sie uns Brei ausgegeben hatte, der in einem großen Topf in der Schankstube gekocht wurde, die Ereignisse der letzten Tage, die zum Auszug des halben Dorfes und der momentanen Situation geführt hatten, berichtete.

Alles habe mit einem offenen Grab begonnen, zwei Tage später wären es dann schon zwei weitere geöffnete Gräber gewesen. Dann hätten die ersten das Wesen gesehen – blasse Haut, lange Arme, große Augen, Krallen. Man hätte versucht das Wesen zu erschlagen, doch selbst zu dritt hätten die Mutigen keine Chance gehabt. Die Kämpfer seien zwar mit Kratz- und Bissspuren davon gekommen, doch kurz darauf seien sie erkrankt, hätten sich verändert, seien schließlich selbst zu diesen entstellten Wesen geworden und hätten ihre Familien angegriffen. Daher auch die Eingangskontrollen. Nach und nach hätten dann die ersten, welche am nächsten zum Boronanger lebten, das Dorf verlassen. Der Rest suche zumeist nun hier oder im Tsatempel, der zwar näher am Boronanger liegt, aber anscheinend unter dem Schutz der Jungen Göttin steht, Zuflucht.

Trotz des Angebots dreier Jünglinge uns zu begleiten, sollten wir uns den Kreaturen stellen wollen, beschlossen wir den nächsten Tag abzuwarten. Wir haben uns jedoch den Wachen an den Fenstern angeschlossen und ich habe – um den verängstigten Bewohnern ein wenig ihre Furcht zu nehmen – meine Harfe zur Hand genommen und eine kleine Weise aufgespielt. Dies schien den Leuten ein wenig Mut und Hoffnung zurückgegeben zu haben – vielleicht war dies jedoch auch dem Beerenschnaps zu verdanken, den die Wirtin während meines Spiels hervorgeholt hatte.

Zum ersten großen Schrecken kam es in dieser Nacht dann, als plötzlich ein Scharren an der Tür zu hören war. Zunächst konnten wir nicht erkennen, was da vor der Tür Einlass begehrte und erst eine aus der Guckklappe der Tür geworfene Fackel brachte das benötigte Licht um zu erkennen, dass es sich um einen Köter handelte. Das Tier schien jedoch tollwütig zu sein und wir hätten es besser auf der Stelle erschlagen, doch haben wir uns damit begnügt das Tier zu vertreiben.

Dann – etwas später in der Nacht – meldete der Ausguck an einem der oberen Fenster, dass sich zwei Wesen vom Boronanger ins Dorf bewegt hätten. Als dann kurz darauf Hilfeschreie aus dem Dorf zu uns herüberklangen, stürmte der mutige Ritter Orasilaus hilfbereit hinaus; Farah und ich hinterher.

An einem Haus unweit der Herberge trafen wir dann auf eines dieser Ungeheuer, welches schon mit einem Arm zum Fenster hineinlangte. Mit gerechtem Zorn drang der Herr Ritter sogleich auf das Ungeheuer ein und schleuderte ihm seinen Morgenstern in den Rücken. Mein Versuch dem Wesen zuzusetzen endete jedoch etwas weniger elegant mit mir auf dem Boden und so beschloss ich doch eher unseren Rücken zu decken – da draußen war ja schließlich noch ein weiteres dieser Geschöpfe.

Zwar kam kein weiteres Ungeheuer, aber der elende Köter, den wir zuvor vertrieben hatten, hatte es erneut auf uns abgesehen. Dem ersten Angriff konnte ich mit dem Schlag eines Besens, den ich aufgrund seines langen Stils meinem kurzen Dolch als Waffe vorzog, abwehren, aber dann fiel ich erneut im Dunkeln zu Boden und dem Biest gelang es mir in den Arm zu beißen. Zum Glück scheine ich mir nichts eingefangen zu haben.

In der Zwischenzeit konnten Orasilaus und Farah das Ungeheuer besiegen und halfen mir den Hund zu vertreiben. Da nun die unmittelbare Gefahr gebannt war, konnten wir uns um die Bewohnerin des Hauses kümmern, eine ältere Frau, die wohl mal Weberin war, weswegen es an an Verbandsmaterial für meine Verletzungen nicht mangelte. So konnte sich Farah – ein wenig zu enthusiastisch für meinen Geschmack – ihrem Handwerk widmen, während Orasilaus heldenhaft zum Tempel stürmte um diesem, falls nötig, zur Hilfe zu eilen.

Nachdem meine Bisswunde versorgt war und wir uns bei der Frau vergewissert hatten, dass es ihr an nichts fehlte, machten wir uns auf Orasilaus zu folgen. In einem Schweinestall in der Nähe des Tempels konnten wir schließlich Kampfgeräusche ausmachen. Orasilaus hatte das andere Ungheuer gestellt. Sofort sprangen wir dem Ritter zur Seite, Farah mit ihrem Kampfstab, ich mit meinem getreuen Besen. Kurze Zeit später schon wurde das Wesen vom Morgenstern des guten Herrn Ritters zertrümmert.

Auf dem Weg zurück zur Taverne haben wir noch die alte Frau aufgelesen und versuchen jetzt noch ein wenig zur Ruhe zu kommen.

Das rätslhafte Grab

5. Efferd 15 HAL, Tsafelde

Und wieder komme ich erst spät – oder besser früh – zum Schreiben. Die Nacht war zum Glück etwas ereignisloser. Am Tage haben wir zudem ein paar wichtige Hinweise erlangt. Doch zunächst von Anfang an.

Am Morgen machten wir mit den Bewohnern des Dorfes einen kleinen Rundgang um nach möglichen weiteren Gefahren Ausschau zu halten und die Spuren der nächtlichen Kämpfe zu betrachten. Die Kadaver der erschlagenen Ungeheuer wurden von den Dörflern verbrannt.

Im Dorf haben wir auch den Tsatempel aufgesucht und mit der jungen Tsageweihten gesprochen, die sichtlich überfordert war mit der momentanen Situation. Leider konnte sie uns zunächst auch nicht mehr sagen, als wir bereits in Erfahrung gebracht hatten. So beschlossen wir dem Ganzen auf dem Boronanger auf den Grund zu gehen. Dieser erschien uns dann bei Lichte doch eher groß für ein doch recht beschauliches Dorf wie Tsafelde. Das Zentrum, wie es uns schien, war wohl der älteste Teil der Anlage und hielt doch sehr alte Gräber bereit. Unsere späteren Nachforschungen deuteten in eine ähnliche Richtung, aber ich greife schon wieder voraus.

Auf dem Weg, den uns die Spuren der Ungeheuer aufzeigten und der uns ins Zentrum des Boronangers führte, wurden wir mehrerer geöffneter Gräber, zerbrochener Särge und sogar einiger angeknabberter Leichenteile ansichtig. Sehr grausig war der Anblick eines jungen Burschen, kaum älter als ich selbst, der anscheinend ebenfalls dem Grauen auf den Grund gehen wollte und dies mit seinem Leben bezahlte. Dem armen Burschen hatte eines der Ungeheuer die Schulter herrausgerissen und ihn an anderen Stellen auch angenagt.

Was auf dem Gelände jedoch auffällig fehlte waren Raben, die Boten Borons. Normalerweise sind diese Vögel ja auf jedem Boronanger heimisch, hier jedoch erfüllte kein Krächzen und kein Flügelschlag die Luft.

Unsere Suche nach weiteren Spuren wurde dann doch jäh unterbrochen, als Farah in ein Loch stürzte. Zum Glück hat sie sich bei dem Sturz nicht verletzt. Das Loch hingegen stellte sich als ein altes Grab heraus, was zunächst nicht sonderlich verwunderlich ist. Bei genauerer Betrachtung hatte dieses jedoch ein paar Besonderheiten vorzuweisen, die uns einen genaueren Blick darauf werfen ließen. Zum einen führte eine Treppe weiter hinab in die Tiefe und darüber hinaus war die Grabplatte uralt. So alt sogar, dass man aufgrund der Verwitterung der Schrift nicht mehr entziffern konnte, wer hier begraben lag. Außerdem schien sie mutwillig von jemandem geöffnet worden zu sein. Wir fanden an der Grabplatte Spuren und einen Rucksack mit einem Seil und benutzten Fackeln in der Nähe.

Unsere weiteren Nachforschungen führten uns wieder in den Tsatempel, wo uns gütigerweise Einblick in die Tempelbücher gewährt wurde. Mit Alteas Hilfe – das ist der Name der jungen Tsageweihten – konnten wir dann noch in Erfahrung bringen, dass es sich wohl um das älteste Grab des ganzen Boronangers handelt. Der Name desjenigen, der dort beigesetzt liegt, wurde jedoch getilgt und zudem eine Damnatusformel – wohl Bosparano für Verfluchung – über den Träger gesprochen. Das ungewöhnliche daran ist, dass dies gleich im Namen von drei Göttern geschah – Praios, Boron und Hesinde.

Da wir noch nicht genau wussten, was wir mit dieser Information anfangen sollten, und es schon Abend wurde, haben wir das Grab ersteinmal wieder mit der Grabplate verschlossen, wobei uns die Dorfbewohner halfen. Zur Überwachung des Boronangers haben wir uns für die Nacht in ein Haus direkt an dessen Rand zurückgezogen. Zudem haben wir in der Nähe des Grabes zusätzlich ein Kohlebecken aufgestellt um es genauer im Blick behalten zu können.

Diese Nacht konnte ich dann auch bis zu meiner Wache durchschlafen ohne geweckt zu werden. Bei der Wachübergabe hat Orasilaus mir jedoch von einigen ungewöhnlichen Beobachtungen erzählt. So sei ein grünlicher Nebel unter der Grabplatte hervorgewabert, der von einem dumpfen Leuchten begleitet wurde. Außerdem habe sich ein Ghul – jetzt fällt mir der Name diese Wesen wieder ein – erhoben, sei jedoch nur ein paar Gräber weiter wieder verschwunden. Was er dort gerade tut, will ich mir garnicht vorstellen.

Zum Glück war ich am Abend bereits so erschöpft, dass mir im Schlaf die Träume erspart geblieben sind. Nach den Schrecken des letzten Tages hätte ich wohl wieder die grausigsten Träume gehabt. So verbringe ich nun meine Wache damit diese Zeilen zu schreiben. Morgen wollen wir in das Grab hinab. Mögen Phex und Boron uns beistehen.

6. Efferd 15 HAL, Tsafelde

Heute haben wir uns dem Grauen der Gruft im Zentrum des Boronangers gestellt. Altea, die junge Tsageweihte, hat uns dabei begleitet und wir alle waren etwas beruhigter mit dem Wissen, ihren göttlichen Beistand auf unserer Seite zu haben. Zumal uns die Geweihte berichtete, dass sie in dem Grab unheiliges Wirken erspühren könne. Diese Kenntnis stärkte unsere Zuversicht nicht besonders und so betraten wir das Grabmal alle mit einem mulmigen Gefühl. Der Tapfere Ritter voraus, ich selbst, die Laterne haltend, als zweiter, dann Farah und, den Abschluss bildend, Altea.

Am Ende des Abstiegs trafen wir auf eine kleine Vorkammer, auf deren Boden grünlicher Nebel vor sich herwaberte, so wie der, den der gute Herr Ritter in der Nacht zuvor beobachtet hatte. An den Wänden waren links und rechts Nischen mit abgebrannten Kerzen und am Ende des Raumes befand sich eine offenstehende Tür, die in einen breiten Korridor führte. Auch hier war der grünliche Nebel zu sehen. Im Gegensatz zum Vorraum, dessen Wände ohne Schmuck waren, schmückten die Wände des Korridors einst wohl überaus kunstvolle Wandmalereien. Die Darstellungen zeigten zwei Heere – eines ein Heer aus ehrenvollen Rittern, das andere augenscheinlich mit Bestien und Untoten in seinen Reihen, beide, wie es aussah, unterstützt von Zauberern – die sich im Kampf gegenüber stehen. Bei den Kämpfen schienen die Bestien jedoch die Überhand über die Ritter zu gewinnen.

Während wir so darüber nachsinnten, was die Darstellungen zeigen sollten – Orasilaus und ich vermuteten, dass es sich um eine Schlacht aus den Magierkriegen handeln könnte -, meldete sich Farah zu Wort und berichtete, bei den Zwölfen schwörend, dass sich eine der Szenen bewegt habe und eine der abgebildeten Bestien einen Ritter erschlagen habe. Ein wenig ungläubig folgten wir ihren Worten, doch hatten wir keine Zeit uns dort viel länger aufzuhalten, denn unter dem Nebel hatten sich Ratten an uns herangepirscht und begannen uns in die Füße zu beißen.

Unfähig uns der Biester unter dem sie verdeckenden Nebel angemessen zu erwehren – mit dem Licht der Laterne ließen sie sich zumindest zeitweise vertreiben – machten wir uns uns schnell daran den Gang entlang zu eilen um dem Geheimnis des Grabes auf den Grund zu gehen und gleichzeitig unser Schuhwerk zu retten.

Am Ende des Korridors erreichten wir dann schließlich die eigentliche Grabkammer. In der Mitte des großen Raumes stand auf einem kleinen Podest ein schmuckvoll verzierter Sarkophag, aus dessen geöffneten Deckel ein steter Strom grünlichen Nebels hervorwaberte. An den drei übrigen Wänden fanden sich ebenfalls Sarkophage, jedoch von weitaus schlichterer Machart. Zudem waren diese Sarkophage verschlossen. Auch in der Grabkammer waren die Wände bemalt und zusätzlich, als hätte der Nebel noch nicht ausgereicht den Anblick der Gruft so unheimlich wie möglich zu machen, klang von den Wänden leiser Schlachtenlärm wieder und die Bilder an den Wänden bewegten sich hier tatsächlich. Dieses Mal konnten wir alle es sehen und es tat mir ein wenig Leid, dass ich Farah ihre frühere Beobachtung nicht geglaubt hatte.

Noch während wir uns in der Kammer umsahen, erreichten die Geräusche von schabendem Stein unsere Ohren und – nach kurzem Suchen – erkannten wir auch den Ursprung der Geräusche. Zwei der Sakrophage waren im Begriff sich zu öffnen. Schon lugten die ersten knöchernen Finger unter den deckeln hervor. Hier erhoben sich die Toten zu unheiligem Unleben um uns für unser Eindringen zu bestrafen.

Orasilaus erkannte schnell, dass es ein Fehler war statt seines Morgensterns nur sein Kurzschwert eingesteckt zu haben, und – die langsamen Bewegungen der sich aufrichtenden Skelette abschätzend und zu dem Entschluss kommend, dass die Zeit wohl noch reichen würde – machte sich, uns knapp seine Absicht mitteilend, auf den Weg diesen Fehler zu beheben. Farah und ich bezogen unterdessen mit unseren Kampfstäben am Eingang zur Grabkammer, schützend vor der jungen Geweihten Stellung. Leider erreichten uns die untoten Krieger, die sich da aus ihren Sarkophagen erhoben schneller als unser Herr Ritter, doch konnten wir unsere skelettierten Widersacher zum Glück lange genug mit unseren Stäben auf Abstand halten, bis Orasilaus, den Morgenstern schwingend, erschien.

Durch einen ersten beherzten Treffer Farahs erkannten wir dann auch recht früh im Kampf, dass unsere Untoten Kontrahenten nicht unbesiegbar waren. Also brachten wir sie durch gezielte Schläge auf die Beine zu Fall, wo Orasilaus Morgenstern ihnen den Rest geben konnte.

Doch gerade, als wir auch das zweite Skelett erschlagen hatten, da öffnete sich auch der dritte Sarkophag und heraus kam ein wahrer Riese von einem Krieger, welcher ein imposantes Zweihandschwert schwang. Doch nun hatten wir ja bereits Erfahrung im Überwinden solcher Feinde gesammelt und so war auch dieser Gegner bald nur noch ein zertrümmerter Haufen Knochen.

Dies wäre ja ansich der rechte Moment gewesen sich über den errungen Sieg zu freuen, doch noch während der als zertrümmerter Haufen Knochen zu Boden fiel, erkannte ich, dass sich die Überreste unserer beiden vorherigen Gegner wieder zusammen setzten.

So blieb uns keine Zeit, und während ich mich um die Überwachung des Raumes kümmerte, untersuchten Orasilaus und Farah den Sarkophag im Zentrum der Kammer. Darin lag, wie sich berichteten, ein Skelett, welches in einer Hand einen Stab hielt und um dessen Hals ein Amulett hing, welches wohl auch den Quell des Nebels darstellte. Altea bemerkte wohl, dass es sich bei den Schriftzeichen auf dem Amulett, welche keiner von uns so recht zu deuten wusste, möglicherweise um Dämonenschrift handeln könnte.

Als Farah dann nach dm Amulett griff, erwachte auch dieser Tote zu neuem Unleben und packte seinerseits nach Farahs Handgelenk. Geistesgegenwärtig zertrümmerte Orasilaus sogleich den Toten mit seinem Morgenstern. Zwar blieb die Hand noch immer um Farahs Handgelenk geschlossen und wollte sich auch nicht lösen lassen, doch konnten wir zumindest das Amulett aus dem Sarkophag entnehmen und diesen verschließen.

Farah, die verständlicherweise leicht panisch war, drängte uns nun jedoch so schnell wie möglich das Grabmal zu verlassen, wobei sich mit dieser Bitte bei uns offene Türen einstieß. Und während wir durch die bemalten Gänge dem Ausgang entgegenstürmten, veränderten sich die Wandgemälde, wenn wir mit dem Amulett an ihnen vorbeikamen.

Als wir endlich das Grabmal verlassen hatten, schreckten die vor dem Eingang wartenden Dorfbewohner vor uns zurück. Und noch immer waberte der Nebel aus dem Amulett hervor, so dass es mit einem Stück Stoff abdeckten und uns so schnell wie möglich auf den Weg zum Tsatempel machten.

Bereits an der Schwelle zum Tempel fiel die skelettierte Hand von Farahs Handgelenk ab und der Nebel, sowie das grünliche Glühen des Amuletts ließ in dem der Jungen Göttin geweihten Gebäude ebenfalls nach, beziehungsweise versiegten gänzlich.

Sowohl Orasilaus, als auch ich ließen sofort ein paar Münzen im Opferstock des Tempels verschwinden und Altea sprach in unser aller Namen ein Dankgebet an Tsa. Sofort informierten wir die restlichen Dorfbewohnern die sich bereits vor dem Tempel eingefunden hatten, über die Geschehnisse, wenn auch wir nicht alles haarklein wiedergaben. Erleichterung machte sich schnell in den Gesichtern der Zuhörer breit, aber auch die Sorge, ob der Spuk denn nun wirklich ein Ende genommen habe.

Nachdem wir so die Dorfbewohner informiert hatten, zogen wir uns mit Altea nochmals ins Innere des Tempels zurück um das weitere Vorgehen in Bezug auf das Amulett zu besprechen. Dass es sich um ein machtvolles und von schändlicher Magie durchzogenes Artefakt in die Hände einer der Kirchen oder gar direkt zerstört gehöre, war uns allen sofort klar. Und da es im Tempel augenscheinlich seiner Macht beraubt war, entschieden wir uns, es vorerst hier zu belassen. Altea verwies jedoch darauf, dass sie einen höhergestellten Boroni aus Gratenfels kenne, der wohl eher in der Lage wäre Auskunft über die Natur und die Gefahren des Amuletts zu erteilen und auch sich des entweihten Boronangers anzunehmen. Wir boten uns selbstredend an den Geweihten aufzusuchen und zu bitten nach Tsafelde zu kommen.

Dann blieb noch die Frage offen, was nun mit dem Grab geschehen sollte. Wir beschlossen, dass es das richtige und göttergefällige wäre, wenn wir das Grab wieder einigermaßen herrichten und verschließen würden. Bei dieser Aufgabe wollten und die Dorfbewohner – außer beim Verschließen – jedoch nicht unterstützen.

Schließlich, nachdem wir all das vollbracht hatten und ein wenig zur Ruhe gekommen waren, holte ich die Flasche Wein hervor, die ich in Albenhus erstanden hatte und teilte sie mit meinen Gefährten. Möge Boron mir einen seligen Schlaf gewähren.

7. Efferd 15 HAL, Tsafelde

Den heutigen Tag verbrachten wir hauptsächlich mit Aufbauarbeiten am Dorf. Denn nicht nur unter den Bewohnern, sonder auch an deren Bauten hatten die Kreaturen ihr zerstörerisches Werk vollbracht. Zudem war bei so manchem überhastetem Aufbruch nicht so sehr drauf geachtet worden, ob die alte Wohnstatt unbeschadet zurück blieb oder nicht.

Überall im Dorf feierte man uns als Helden, denn in der Nacht nach unserem Abstieg in das Grab hatte sich kein Ghul mehr vom Friedhof erhoben und so schien der Schrecken, der das Dorf heimgesucht hatte, endlich gebannt. So durfte ich auch den Kampfstab, den ich mir nach der ersten nächtlichen Begegnung mit den Ghulen, bei der sich mein Besen doch als eher ungeeignete Waffe herausgestellt hatte, geliehen hatte, behalten.

In der restlichen Zeit haben Farah und ich unsere Kampfkünste mit dem stabe unter dem gestrteengen Blick des Herrn Ritters Orasilaus geübt. Hoffentlich wird sich diese Mühe bei unserer nächsten Auseinandersetzung bezahlt machen. Auch wenn ich hoffe, dass diese noch lange auf sich warten lassen wird.

Nun muss ich jedoch aufhören zu schreiben, da man uns zu Ehren ein kleines Fest abzuhalten gedenkt.

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